Nachtrag #2: EMAF oder: Wie es immer langweiliger wurde …

emaf01.jpgDen Tag der Arbeit haben wir dazu genutzt, um mal wieder nach Osnabrück zu fahren, um uns dort die zum EMAF (dem European Media Art Festival) gehörende Ausstellung “Final Cut” anzuschauen. Ziel dieser in der Dominikanerkirche stattfindenden Veranstaltung ist es “die Sicht auf die Beziehung zwischen Medienkunst und Kino” zu lenken, so die Website. Dabei soll sowohl die Faszination des Kinos als auch Wert, Codes und Muster von Filmen analysiert und transparent gemacht werden. Paul McCarthy und Bjørn Melhus sind nur zwei der renomierte Künstler, die an Final Cut teilnehmen und so “multi-mediale Bildwelten, die die Bildermacht der Filmunterhaltung und ihren linearen Erzählfluss aufbrechen” schaffen.

Tja, was soll ich dazu sagen? Ich fahre seit 2002 zum EMAF, in vielen Jahren davon zusammen mit Studierenden im Rahmen der von Ditmer Schädel und mir organisierten Media Art Exkursionen. Und seit 2002 habe ich jedes Jahr den Eindruck gehabt, dass vor allen Dingen die Ausstellung zum EMAF immer schlapper wurde: Zunehmend fehlte die Überraschung, die Kontroverse, der Spass und die Einsicht in Neues. Immer häufiger stellten sich Gefühle der Langeweile, des Als-Besucher-nicht-wertgeschätzt-werdens, des Da-haben-wir-mal-schnell-nen-paar-Videos-aufgebaut ein.

Und auch in diesem Jahr ist die Ausstellung keine Ausnahme, sondern bisheriger Höhepunkt (Tiefpunkt?) dieser Entwicklung: In flockigen 45 Minuten bin ich durch die Räume geschlendert, hab da und dort verweilt, durchaus auch etwa Candice Breitz “Mother” genossen, oder über McCarthys “F-Fort” geschmunzelt, aber hat mich etwas berührt, mich aufgewühlt, mich zum Lachen oder Trauern gebracht, mir in der nächsten Nacht den Schlaf geraubt? Noe. “Final Cut” ist egal, oder um mal beim Thema Kino zu bleiben: “Final Cut” ist ein langweiler C-Movie, wahrscheinlich produziert um Mittwochs abends im Privatfernsehen als “Weltpremiere” zu laufen, während in auf anderen Programmen Championsleague oder Papstwahlen gezeigt werden.

Wüßte ich es nicht besser, so würde ich aus “Final Cut” Folgendes mit nach Hause nehmen:

  • Es ist nicht möglich, Video einigermassen interessant in einer Ausstellung zu präsentieren – schon gar nicht in einer alten Kirche.
  • Noch immer sindwummernde, basslastige Random-Noise-Geräusche zwingend notwendig, um einer Videoinstallation die nötige gehaltvolle Tiefe zu geben.
  • Kino im Sinne von Media Art hat beispielsweise mit Flickr oder YouTube, oder gar Computerspielen überhaupt nichts zu tun.
  • Kino und Interaktivität haben generell nichts miteinander zu tun.
  • Für (New) Media Art gibt es kein Geld mehr.
  • Bilder, Szenen, Tonfragmente zu “remixen” und zu “recyclen” ist die aktuelleste Kulturtechnik.

Nee, nee, das wars nicht. Und da bin ich doch sehr froh, das wir nicht mit einer MAEX dahin gefahren sind, und dass Osnabrück auch ohne das EMAF einen Ausflug wert ist. Sonst hätte ich mich wirklich geärgert.

Links:
EMAF

PS: Kleine Anekdote am Rande: Ich stehe da so mit meinem Kinderwagen an der Kasse und blättere in den Katalogen, als ein Vater mit seiner ca. 14 Jahre alten Tocher zum Kassierer kommt, und sich beschweren will. Der verweist ihn an eine für die Ausstellung verantwortliche Person hinten in der Ausstellung. Kurze Zeit später kommt der Vater wieder und sagt, die verantwortliche Person habe keine Zeit gehabt, und er nun auch nicht mehr, und geht. Keine zwei Minuter später kommt die Person von hinten zur Kasse (ein mann, der nun einen Edding sucht), und der Kassierer sagt “Das war schon wieder jemand, der sich darüber beschwert hat, das keine interaktiven Installationen dabei sind.” Antwort: “Hier wird nicht kritisiert.” Noch Fragen?

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