“There are no visual media”

mediaarthistories.jpgWJT Mitchell, Professor für Anglistik und Kunstgeschichte an der Universität Chicago, stellt diese zunächst kühn anmutende Behauptung in seinem gleichnamigen Beitrag zu Oliver Graus neu erschienenem Buch MediaArtHistories auf. “All media are, from the standpoint of sensory modality, mixed media”, und darüber, so Mitchell, gäbe es wohl Konsens. Selbst bei Gemälden, der vermeintlich “reinsten” visuellen Kunstform, ist doch Sprache (im Sinne von Gedächtnisinhalten?) oder aber auch die Oberflächenstruktur des Gemäldes enthalten. Mitchell, ganz plakativ: Was ist ein Gemälde von Jason Jackson Pollock, wenn man nicht weiß, dass es ein Gemälde von Jason Jackson Pollock ist? “Nothing but wallpaper.”

Warum aber wird dem Visuellen so viel Aufmerksamkeit gewitmet? Mitchell sieht dafür kaum Rechtfertigung; er warnt gar vor einer Fokussierung auf das, was zu sehen ist. Mit Beispielen illustriert, zweifelt er die Ãœberlegenheit des visuellen Sinneskanals über die anderen Modalitäten an, und ruft dazu auf, vom visuellen Sinn aus eine multimodalere Sicht auf die Dinge, besonders auf Medien und Kunst einzunehmen. Die Beschäftigung mit den Unzulänglichkeiten des Begriffes “visual media” werde helfen, einen umfassenderen, kritischeren Diskurs anzuregen – “because there is no visual media that we need a concept of visual culture”.

Ich kann den Aussagen von Mitchell nur zustimmen; auch in Arbeiten an denen ich beteiligt bin zeigt sich, dass der visuelle Sinneskanal zwar immens wichtig aber vermutlich nicht so entscheidend ist, wie vielfach angenommen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Gelegenheiten, in denen es zu “Störungen” in der Zusammenarbeit der verschiedenen Sinne kommt – wie etwa bei Täuschungsphänomenen.

Mixed media könnte man übrigens meiner Meinung nach auch hybrid media nennen, deren wahrgenommene Inhalte dann Artefakte in hybriden Realitäten sind … (Heineken & Schulte, 2007 :) ).

Link:
Oliver Graus Buch MediaArtHistories

PS: Diese Erkenntnisse wird übrigens den Alleinherrschaftsvertretern des (bewegten) Bildes sehr weh tun, verstehstverstehst? ;)

3 Responses to ““There are no visual media””

  1. Jan Says:

    Und was ist mit den Gemälden von Jason Pollock, die eigentlich von Jackson Pollock sind? ;)

  2. Jan Says:

    Oh und wird in der “Nothing but wallpaper.” Passage auch Walter Benjamin erwähnt? Um Olli Dittrichs’ Beckenbauer zu zitieren: “Der war ja eine Lichtgestalt (…) der hatte eine Aurora (…) der konnte rechts wie links!

  3. FrankPSchulte Says:

    @jan: hehe, jaja, jackson, jason, jane, whatever … Ich habs geändert. Was machst Du denn um 5:42 noch on…???

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