Eines der Projekte des vergangenen Jahres war die Entwicklung von “BOA- Die Berufsorientierungs-assistentin”, einer interaktiven Online-Berufsberatung für Schulabsolventen. Basierend auf Hollands Vocational Choice Theory gibt BOA den Nutzern Hinweise auf die eigenen beruflichen Interessen und regt damit an, sich mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen. Das ist wichtig, denn obgleich die Wahl des Berufes eine der bedeutsamstem Entscheidungen im Leben eines jungen Menschen ist, wird sie häufig unüberlegt getroffen. Dies zeigen die Studien- und Ausbildungsabbrecherzahlen. In Kooperation mit unserem Partner Provadis ist die BOA nun 1.0 geworden; ich freue mich über diesen Erfolg zusammen mit Herrn Heineken (Konzept, Leitung), Anja Thieme (technische Realisation, Joblisten) und Sarah Hüttenberend (Design).
So, obgleich immer noch nicht feststeht, wer mein neuer Chef im kommenden Semester im Fachgebiet Allgemeine Psychologie: Kognition wird, hier für alle Interessierten mein Lehrangebot für das Wintersemester 2008/2009:
Seminar Allgemeinpsychologische Vertiefung: Emotion
Zeit: Dienstags Mittwochs, 10-12 Uhr
Ort: LK 052 LB 239
Zielgruppe: Komedia MA
Beschreibung:Im Rahmen der Veranstaltung werden wir uns mit der Rolle von Emotionen für die Gestaltung interaktiver Systeme beschäftigen. Die erste Hälfte des Seminars werden Kurzreferate gehalten, in der zweiten Hälfte werden wir ein Forschungsprojekt in diesem Feld durchführen.
Voraussetzung für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind Grundkenntnisse in Allgemeiner Psychologie (i.d.R. Besuch und Schein in der Vorlesung), regelmäßige Teilnahme, Halten eines Kurzreferates (incl. kurzer Ausarbeitung) sowie Beteiligung an der Durchführung des Forschungsprojektes.
Literatur: Zum Einstieg: Kapitel 2 „Motivation, Volition und Emotion“ inMüsseler, J. & Prinz, W. (Hg.)(2002). Allgemeine Psychologie. Heidelberg: Spektrum. Diener, E. (1999). Special section: The structure of emotion. Journal of Personality and Social Psychology, 76, 803-867. Hassenzahl, M., Burmester, M., & Koller, F. (2003). AttrakDiff: Ein Fragebogen zur Messung wahrgenommener hedonischer und pragmatischer Qualität. In J.Ziegler & G. Szwillus (Eds.), Mensch & Computer 2003. Interaktion in Bewegung (pp. 187-196). Stuttgart, Leipzig: B.G. Teubner.
Forschungsprojekt Allgemeine Psychologie II (zusammen mit dem Lehrstuhlinhaber)
Zeit: Dienstags, 12-14 Uhr
Ort: LE 222
Zielgruppe: Komedia MA
Beschreibung: Im Rahmen des Forschungsprojektes II werden laufende Forschungsarbeiten des Fachgebietes betreut, u.a. „Imagery in fMRI“. Eine Vorbesprechung findet am 14. 10. um 10.00 Uhr in LK 052 statt.
Propädeutikum Kognitionspsychologie
Zeit: Dienstags, 14-15 Uhr
Ort: LE 222
Zielgruppe: Komedia MA mit Schwerpunkt Informatik
Beschreibung: Diese Veranstaltung ist für Studierenden des Studiengangs Komedia mit Informatik-Schwerpunkt im Master gedacht. Eine Vorbesprechung findet am 14. 10. 15.10. um 10.00 Uhr in LK 052 LB 239 statt.
Übung zur Veranstaltung „Experimentelle Methoden“
Zeit: Montags, 16-18 Uhr
Ort: SG 135
Zielgruppe: TeilnehmerInnen der Veranstaltung „Experimentelle Methoden“
Beschreibung: Die Veranstaltung begleitet die Vorlesung „Experimentelle Methoden“. Es werden Übungsaufgaben besprochen, und exemplarische Studien zu den Vorlesungsinhalten präsentiert. Literatur: Kerlinger, F.N. & Lee, H.B. (1992). Foundation of behavioral research (4th ed.). Wadsworth Publishing. Drüber hinaus: Huber, O. (2005). Das psychologische Experiment: Eine Einführung. Bern: Huber. Sarris, V. & Reiß, S. (2005). Kurzer Leitfaden der Experimentalpsychologie. München: Peason Studium. Westermann, R. (2000). Wissenschaftstheorie und Experimentalmethodik. Göttingen: Hogrefe.
Ich denke, es wird in jeglicher Hinsicht ein spannendes Semester.
Na, so in einem Satz formuliert ist das ja mal was Plakatives Neues. Dietrich Dörner, emeritierter Psychologieprofessor aus Bamberg und dem geneigten Leser durch seine Psis bekannt, hat sich in der Welt zum leidigen Thema Games und Aggression gemeldet. Und er vertritt dort eine recht reflektierte und - mann lesen uns staune - durch eigene Spielpraxis fundierte Meinung :”Ich spiele gern Medieval 2 Total War, wo es um Schlachten des Mittelalters geht. Das mag ich, obwohl es moralisch höchst bedenklich ist.” Auf die Frage, ob seine Wissenschaft denn Negatives über Computerspiele herausgefunden habe, antwortet er, dass im Moment eher viel Positives herausfände. Zu Herrn P. aus N. sagt er dann auch “Das ist nicht der Wissenschaft, sondern dem politischen Bereich zuzurechnen.”
PsychCentral hat sie aufgestellt: Die Top-Ten-Liste der Psychologie (und Psychiatrie-) Videos. Neben einer Reihe von TED-Talks (immer wieder sehenswert, nicht nur zum Thema Psychologie) ist natürlich auch das Stanford-Prison-Experiment aus dem Jahr 1971 von Ex-APA-Präsident und Mega-Bookseller Philip “Ziegenbart” Zimbardo dabei.
Auf der Suche nach den Rätseln der Menschheit machen die Neurowissenschaften auch vor einer der letzten Bastionen des Entertainment-Business nicht halt: der Magie. In Nature Reviews Neuroscience ist ein Artikel erschienen, in dem zwei Neurowissenschaftler in Zusammenarbeit mit fünf Magiern (u.a. Teller von Penn & Teller) eine Reihe von Tricks und Illusionen aus der Neurowissenschaftlichen Perspektive beleuchten. Bleiben am Ende *PUFF* dann doch wieder nur die Unzulänglichkeiten des menschlichen Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitssystems übrig …?
So, in der letzten, arbeitsreichen Woche haben wir zwei Texte zur Publikation eingereicht, an denen ich beteiligt war: Bei BOA - Der Online-Pfad zur professionellen Berufsberatung geht es um unser interaktives Berufsberatungstool BOA- Die Berufs-Orientierungs-Assistentin (siehe auch www.conboa.de). BOA soll Schulabsolventen aller Schulformen helfen, sich Gedanken über die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu machen - ohne gleich in Arbeit auszuarten. Aus diesem Grund ist BOA auch kurz und spielerisch angelegt, und eine erste Evaluation, die Jennifer Klatt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit durchgeführt hat, sieht sehr gut aus: BOA korreliert in den entsprechenden erhobenen Dimensionen hoch mit den Ergebnissen eines professionellen Berufsberatungstest, den wir die Schüler auch haben durchführen lassen, und auch die Schulform lässt sich in den Profilen erkennen. BOA hat aber mehr Spass gemacht! Mehr darüber bald in der Publikation zur Tagung Psychologiedidaktik und Evaluation, ich bin hier Drittautor, neben Anja Thieme, Jennifer und Prof. Heineken.
In Was bringt ein Pageflip in Online-Katalogen dem Produktmarketing? geht es um die Ergebnisse einer relativ groß angelegten Online-Studie (N>200), die sich mit der Nützlichkeit s.g. Pageflips beschäftigt. Pageflips sind Online-Kataloge (oder Zeitschriften), die man per Mausgeste umblättern kann, wobei dieser Umblättervorgang visuell simuliert wird. (Hier gibt es eine Übersicht über entsprechende Tools.) Im Rahmen von Simon Galls Masterthesis haben wir uns mal angeschaut, ob der Einsatz einer solchen Visualisierung zumindest aus gedächtnispsychologischer Sicht sinnvoll ist - und tatsächlich! Die Effekte sind zwar nicht riesig, aber ein Pageflip lässt die Nutzer signifikant mehr von den Inhalten der Kataloge erinnern (gemessen sowohl durch freies Erinnern als auch durch Wiedererkennen). Wir haben die Ergebnisse, von denen wir auch überrascht waren, bei der i-com Zeitschrift für interaktive und kooperative Medien eingereicht - mal sehen, was die dazu sagen. (Ich bin hier Erstautor, zusammen mit Simon und dem Chef.)
Jan von The Hot Strudel verweist (vermutlich) mit Tränen in den Augen auf dieses FlickR-Bild einer App für das iPhone. Hehe, viel Spass, Apple - da habt ihr Euch Jahre (erfolgreich) so viel Mühe um Eure GUIs gemacht, und nun kommen (wir) Hobby-Entwickler mit (unseren) Apps und die Graphical User Interface Hölle bricht aus.
PS Hier steht aber auch, warum der Screenshot so aussieht wie er aussieht, und wie und was wir daraus lernen können (auch via The Hot Strudel).
Mihaly Csikszentmihalyi bezeichnet als Flow das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit, die dann - obgleich sie komplex und häufig leicht über- oder unterfordernd ist - mit einem Gefühl der Leichtigkeit und der Lust erledigt wird. Gute Games erzeugen Flow, gute Jobs ab und an auch. Jan von The Hot Strudel hat bei YouTube ein anderes, treffendes Beispiel für Flow gefunden, das mich an gute alte Zeiten erinnert:
Nicht, das ich im Duisburger Stadtwald solche Jumps und Ramps gefahren wäre, aber es stimmt schon: Irgendwann hat jeder Biker den Flow durch den Singletrail, dann merkt man jede Kurve schon genau die notwendigen Millisekunden im Vorhinein, um flüssig einlenken und die Kurve eben genau richtig angehen zu können… Ahhh, dafür haben sich die Trainingsstunden und die Stürze gelohnt … Ich muss mal in den Schuppen, mein Cannondale-Fully streicheln.
PS: Okok, im Letzte-Semester-Wochen-und-letzte-EH-Tage-Stress sollte ich trotzdem (oder gerade wieder) den Blog-Flow bekommen … ich arbeite dran.