Archive for the ‘Psychologie’ Category

Die Bits und Bytes mit der Muttermilch aufgesogen? Rolf Schulmeister über die Net-Generation

Monday, July 28th, 2008

digital_natives.jpgRolf Schulmeister vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg beschäftigt sich in einem Ãœberblicksartikelbuch mit der Frage, ob und wie die Digital Natives- also die Jahrgänge, die mit den digitalen Medien und dem Internet aufgewachsen sind – einen Unterschied für die Bildungsarbeit machen. Nach einem Ãœberblick über die schon publizierten Arbeiten zu diesem Thema (u.a. von Claudia de Witt, bei der ich auch studiert habe), sieht er sich die Datenbasis an, und kommt schlussendlich zu 9 Thesen. Schulmeister stellt u.a. fest, dass die Beschäftigung der Generation @ mit Medien ist nur ein “integrierter Teil ihrer gesamten Freizeitaktivitäten [ist], deren primäres Ziel das Gewinnen von
Freundschaften und das Zusammensein mit Freunden ist.”, und dass „The Internet just is“. Schulmeister: “Fasst man Freizeitziele, Ziele des Mediengebrauchs und Intentionen der Computernutzung usammen, so zeichnet dieses Ensemble sozialer Aktivitäten ein durchaus traditionelles Bild vom Prozess des Erwachsenwerdens. Freundschaften
pflegen und mit Peers kommunizieren sind seit jeher die wichtigsten Sozialisationsziele gewesen.”

Schulmeister arbeitet das Feld in seinem Buch sehr gut und übersichtlich auf. Seine Thesen sind stimmig, sein Blick auf die Daten kritisch. Und die Phänomene bestätigen seine Thesen: Web 2.0, anyone?

Link:

Buch “Gibt es eine Net Generation? Work in progress” (PDF, via mekonet)

PS: Foto von oso

BOA und Der Pageflip.

Monday, July 14th, 2008

So, in der letzten, arbeitsreichen Woche haben wir zwei Texte zur Publikation eingereicht, an denen ich beteiligt war: Bei BOA – Der Online-Pfad zur professionellen Berufsberatung geht es um unser interaktives Berufsberatungstool BOA- Die Berufs-Orientierungs-Assistentin (siehe auch www.conboa.de). BOA soll Schulabsolventen aller Schulformen helfen, sich Gedanken über die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu machen – ohne gleich in Arbeit auszuarten. Aus diesem Grund ist BOA auch kurz und spielerisch angelegt, und eine erste Evaluation, die Jennifer Klatt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit durchgeführt hat, sieht sehr gut aus: BOA korreliert in den entsprechenden erhobenen Dimensionen hoch mit den Ergebnissen eines professionellen Berufsberatungstest, den wir die Schüler auch haben durchführen lassen, und auch die Schulform lässt sich in den Profilen erkennen. BOA hat aber mehr Spass gemacht! Mehr darüber bald in der Publikation zur Tagung Psychologiedidaktik und Evaluation, ich bin hier Drittautor, neben Anja Thieme, Jennifer und Prof. Heineken.

In Was bringt ein Pageflip in Online-Katalogen dem Produktmarketing? geht es um die Ergebnisse einer relativ groß angelegten Online-Studie (N>200), die sich mit der Nützlichkeit s.g. Pageflips beschäftigt. Pageflips sind Online-Kataloge (oder Zeitschriften), die man per Mausgeste umblättern kann, wobei dieser Umblättervorgang visuell simuliert wird. (Hier gibt es eine Ãœbersicht über entsprechende Tools.) Im Rahmen von Simon Galls Masterthesis haben wir uns mal angeschaut, ob der Einsatz einer solchen Visualisierung zumindest aus gedächtnispsychologischer Sicht sinnvoll ist – und tatsächlich! Die Effekte sind zwar nicht riesig, aber ein Pageflip lässt die Nutzer signifikant mehr von den Inhalten der Kataloge erinnern (gemessen sowohl durch freies Erinnern als auch durch Wiedererkennen). Wir haben die Ergebnisse, von denen wir auch überrascht waren, bei der i-com Zeitschrift für interaktive und kooperative Medien eingereicht – mal sehen, was die dazu sagen. (Ich bin hier Erstautor, zusammen mit Simon und dem Chef.)

Nur kurz: GUI-Hell, oder: Viel Spass, Apple.

Sunday, July 13th, 2008

Jan von The Hot Strudel verweist (vermutlich) mit Tränen in den Augen auf dieses FlickR-Bild einer App für das iPhone. Hehe, viel Spass, Apple – da habt ihr Euch Jahre (erfolgreich) so viel Mühe um Eure GUIs gemacht, und nun kommen (wir) Hobby-Entwickler mit (unseren) Apps und die Graphical User Interface Hölle bricht aus.

PS Hier steht aber auch, warum der Screenshot so aussieht wie er aussieht, und wie und was wir daraus lernen können (auch via The Hot Strudel).

Der Flow – bei Games, bei Jobs, beim Biken. (Warning: Good ol’ times moaning ahead;))

Saturday, July 12th, 2008

Mihaly Csikszentmihalyi bezeichnet als Flow das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit, die dann – obgleich sie komplex und häufig leicht über- oder unterfordernd ist – mit einem Gefühl der Leichtigkeit und der Lust erledigt wird. Gute Games erzeugen Flow, gute Jobs ab und an auch. Jan von The Hot Strudel hat bei YouTube ein anderes, treffendes Beispiel für Flow gefunden, das mich an gute alte Zeiten erinnert:

Nicht, das ich im Duisburger Stadtwald solche Jumps und Ramps gefahren wäre, aber es stimmt schon: Irgendwann hat jeder Biker den Flow durch den Singletrail, dann merkt man jede Kurve schon genau die notwendigen Millisekunden im Vorhinein, um flüssig einlenken und die Kurve eben genau richtig angehen zu können… Ahhh, dafür haben sich die Trainingsstunden und die Stürze gelohnt … Ich muss mal in den Schuppen, mein Cannondale-Fully streicheln.

PS: Okok, im Letzte-Semester-Wochen-und-letzte-EH-Tage-Stress sollte ich trotzdem (oder gerade wieder) den Blog-Flow bekommen … ich arbeite dran.

PPS: Narf: ‘Dran arbeiten ist genau das falsche… ;)

Nur kurz: Schulpsychologe vs. peer-reviewed Journal.

Friday, May 16th, 2008

games_and_gun.jpg Im Heise-Newsticker treffen heute zwei Meldungen aufeinander: “Gewalt in Videogames versus Leben: spärliche Beweise“, in dem von einem Beitrag im International Journal of Liability and Scientific Enquiry berichtet wird, der aufzeigt, dass es kaum Belege für kausale Zusammenhänge zwischen Computerspielekonsum und Gewalt bei Jugendlichen gibt.

Dem gegenüber steht der Heise-Eintrag “Schulpsychologe sieht Gewaltspiele als größten Risikofaktor für Gewaltkriminalität“: Hier wird von einer Befragung von Schülern durch einen Schulpsychologen Hopf berichtet, die dann auch als stärksten Risikofaktor für Gewaltkriminalität Computer-Gewaltspiele identifiziert. Zitat: dies hat “laut dem Magazin Geo Wissen eine bislang unveröffentlichte Untersuchung ergeben, bei der Hopf über zwei Jahre lang das Verhalten von 653 Schülern untersucht hat.” und dabei meint, kausale Wirkzusammenhänge zwischen Games und Gewalt und Games und schlechten Schulnoten gefunden zu haben.

Naja. Wie immer – das Thema polarisiert. Ich allerdings meine, auch einen Zusammenhang zwischen sozialen Sendungsbewusstsein (was für sich genommen nicht negativ ist) und “Verdammung” von Spielen identifizieren zu können – und dies hat nicht immer was mit “kritischer Medienerziehung” zu tun, sondern häufig mit “Schlaubergerei”…

Links:

Ãœbersichtsartikel auf Heise zum Thema “Gewaltspiele”

PS: Foto von imamon

Nur kurz: Transfer Computerspiel <-> Leben. Oder auch nicht.

Saturday, May 10th, 2008

Nach dem Lernen kommt hoffentlich der Transfer von Wissen aus einer Domäne (oft gefordert/gesucht/vermisst: Computerspiel) in eine andere (Leben). Und umgekehrt kann schon vorhandenes Wissen Neulernen auch behindern… wie dieses Video ohne Worte schön anhand von Rockband zeigt :) . Proaktive Hemmung? Ähnlichkeitshemmung? Assoziative Hemmung oder gar affektive Hemmung?

PS: Thx zefrank

Update 11.05.2008: Uiii, wenn der Transfer in die folgende Richtung läuft, dann redet man von … Illusionen?

PS: Thx nerdcore

Nur kurz: Das gibt Ärger: “Wer keine Videospiele spielt, ist im Nachteil”

Monday, May 5th, 2008

… sagt die Studie der Harvard-Forscher Lawrence Kutner und Cheryl K. Olson mit dem vielsagenden Namen “Grand Theft Childhood?”. Die Autoren interpretieren Ihre Daten so, dass Kinder, die nicht Computerspiele spielen, damit fehlende Sozialkompetenz zeigen. Die Autoren sind sich der kontroversen und zum Teil auch nicht sehr seriös geführten Debatte wohl bewusst, und fragen auch zurecht: “Are We Worried About The Wrong Things?”. Was wohl Herr P. vom KFN oder Herr S. dazu sagen werden? Ich denke, diese Befunde werden sehr kontrovers und heftig diskutiert werden.

Links:

Website zur Studie “Grand Theft Childhood”

Artikel im Heise Newsticker

Nur kurz: Clay Shirky über Web 2.0. Auf der Web 2.0.

Sunday, May 4th, 2008

Clay Shirky war schon vor dem Hype dabei, sich um Anwendungen im Netz zu kümmern, deren hauptsächlicher Zweck die Vernetzung von Menschen ist. Um seine Keynote von der Web 2.0-Conference 2008 mal kurz und prägnant zusammenzufassen: “Nowadays, that’s what 4-year old think: A screen (*) that ships without a mouse ships broken!”
(*) Hier ist eigentlich ein TV gemeint …

PS Thx marcel weiss

Programm zur Vortragsreihe “Virtuelle Realität” an der TU Chemnitz

Tuesday, April 15th, 2008

Am 3. Juni werden Mark Bormann vom Lehrstuhl für Mediendidaktik der Uni DUE und ich einen eingeladenen Vortrag im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe an der TU Chemnitz zum Thema “Virtuelle Realität” halten. Veranstalter dieser über das gesamte Sommersemester laufenden Veranstaltung ist Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach, Inhaber der Professur Philosophie mit dem Schwerpunkt Kognitionswissenschaft an der TU Chemnitz.

Unser Thema ist “Virtual Reality as Tool and Topic – Messmethoden in virtuellen Realitäten”, und wir werden mal über die verschiedenen Forschungsaktivitäten “unserer” Abteilungen an der Universität Duisburg-Essen berichten. Wir sind in guter Gesellschaft: Prof. Dr. Winfried Marotzki (Universität Magdeburg) wird den Bogen von Online-Communities zum social networking schlagen; Dr. Jörg Schirra (auch Universität Magdeburg) betrachtet die Funktion von Bildern in Computerspielen unter Aspekten der Immersion, Interaktion und Virtualität; Prof. Dr. Peter Ohler (TU Chemnitz) berichtet über Sozialen Präsenz und seine Versuche, evolutions-psychologische Konstrukte zur Operationalisierung dieses Phänomens in Massiven Multiplayer Online-Rollenspielen zu nutzen. Wer zufällig in der Nähe ist, ist natürlich herzlich eingeladen!

Link:

Pressemitteilung der Uni Chemnitz

Nur kurz: Don’t make me think!

Sunday, April 13th, 2008

Bruce Sterling, Sci-Fi-Autor und Enfant Terrible, findet auf seinem Vortrag anlässlich des Innovationsforums 2007 kurze Worte für das, was wir heute von unseren Computern, MP3-Playern, Home-HiFi-High-Def-Equippment, Computerspielen, Lernsoftware erwarten: From software to Global-Ware or Airplane-Carrier-Ware: When I interface with my toothbrush: Don’t make me think!


Bruce Sterling from Innovationsforum on Vimeo.

PS: LOL: “My friend bougth the new Apple iBrush!” ;)