Archive for the ‘Allgemein’ Category

Documenta 12: Zurück aus dem digitalen wilden Westen …

Sunday, July 1st, 2007

doc12shooter2.jpg… bin ich. “Wilder Westen, wieso das? Kassel ist doch eher im Osten!”. Ja, Kassel ist eher im Osten, nein: Kassel ist östlicher als der eigentliche Wilde Westen Deutschland (das Ruhrgebiet ;) ). Aber in Kassel trafen sich die Revolverhelden der neuen digitalen Popkultur: Die Allesknipser. Nie wurden sie zahlreicher gesehen, nie waren sie so gut ausgestattet und vorbereitet, nie war es schlimmer als auf der Documenta – drei von vier Besuchern hatten jeweils mindestens einen Digitaldatenproduzenten zur Hand – Megapixel über Megapixel zu ihrer Verfügung, Petabyte an Muntion in den Satteltaschen… und immer mehr Auge für den Kontrollblick auf das Display, als für das Objekt. Fotosafari an der Fulda: Geschossen wird in Kassel, genossen wird zuhause!

“Ich will mehr Leben, Vater!” – auch nach 25 Jahren

Thursday, June 28th, 2007

blade_runner.jpgBoingBoing macht uns darauf aufmerksam: Ridley Scotts “Blade Runner” wurde vor 25 Jahren veröffentlicht. Das werde ich mal zum Anlass für eine Wiederaufführung bei uns nehmen, denn diese Verfilmung von Philip K. Dicks Roman “Do Androids dream of electric sheep?” gehört auf jeden Fall in meine All-time-favorites-Filme-für-die-Insel-Liste. Harrison Ford hat ja noch andere gute Filme gemacht (“Indyyyyyyyy!”), aber für Rudger Hauer als Replikant Roy Batty war es ja wohl neben The Hitcher das Highlight der Karriere. Selten war ein so schöner Dialog eines Sterbenden zu hören. Und zu sehen – zu einer Zeit als platinblond noch extravagant-spacig war ;) .

Links:

Blade Runner turns 25: an appreciation by Mythbuster Adam Savage auf BoingBoing

Blade Runner Eintrag in der Wikipedia (wow – xxl)

Interface without touch: Das Theremin

Sunday, June 24th, 2007

leon_theremin_playing_theremin.jpgDitmar Schädel hat mich schon vor Jahren drauf hingewiesen, aber nun ist es mir mal wieder in die virtuellen Finger geraten: das Theremin. Ein Theremin ist ein Musikinstrument, das ohne körperliche Berührung gespielt wird: Indem der Abstand beider Hände zu den zwei Antennen verändert wird, werden Tonhöhe und Lautstärke variiert. Erfunden wurde es 1919 vom russischen Physikprofessor Leon Theremin, und stellt laut Wikipedia das erste wirklich benutzbare elektronische Musikinstrument dar.

Wie die Links zeigen, lassen sich mit einem Theremin wirklich lustige Sachen machen, zumal der Tonumfang bis zu 9 Oktaven umfassen kann. Was mir da auch gleich durch den Kopf ging: Wenn man auf dem Gerät Musik machen kann, dann sollte sich das doch eigendlich auch als Interface für einen Computer nutzen lassen, oder? Das sähe dann vielleicht so aus wie bei Tom Cruise in Minority Report - allerdings ohne die komischen Handschuhe…

Links:

“Theremin”-Eintrag in der Wikipedia

Theremin Cover Version of Gnarls Barkley’s Crazy (Sehr cool, thx laughing squid)

The Simpsons vs. Star Trek Theme auf dem Theremin (YouTube)

Die Titelmusik von Zelda auf dem Theremin (YouTube)

(Foto aus dem Wikipedia-Artikel geliehen)

“Gestalt und Kunst” – In memoriam Rudolf Arnheim

Saturday, June 23rd, 2007

arnheim.jpgIch weiß, dass ich ein paar Tage zwei Wochen zu spät bin, aber trotzdem: Am 9. Juni starb im Alter von 102 (!) Jahren Rudolf Arnheim, Gestaltpsychologe, Schüler von Wertheimer, Köhler und Lewin (wow! Das muss ja was hängen bleiben…) und Begründer einer gestaltpsychologisch orientierten Kunstpsychologie und -pädagogik. Der Professor, der u.a. in Harvard und an der University of Michigan in Ann Arbor unterrichtet hatte, setzte vor allen Dingen mit seinem Buch Art and Visual Perception von 1954 ein Zeichen, indem er eine allgemeine Ästhetik auf Grundlage der Wahrnehmungstheorie der Gestalttheorie postulierte, und damit Empirie und Ästhetik unter einen Hut brachte: “Mir ging es also darum, dass alles Denken von den Sinneserfahrungen abhängt. Das Seelische ist meinem Verständnis nach, was wir durch die Sinne erfahren. Denn wenn ein Mensch oder ein Tier oder auch eine Pflanze keine Sinneseindrücke hat, dann ist sie ja tot, dann kann sie ja nicht leben. Denn es gibt keinen anderen Hintergrund, als was wir durch die Sinne von der Natur empfangen.” (Ich habe das Zitat hier geliehen).

Nach ihm ist übrigens schon zu Lebzeiten der Rudolf Arnheim Award for Outstanding Achievement in Psychology and the Arts der American Psychological Association benannt worden.

Links:

Wikipedia Artikel zu Rudolf Arnheim

Nachruf im Heise Newsticker

Nachruf im Deutschlandfunk

Rudolf Arnheim Forum

Award Seite der APA

Extramodal statt intermodal

Thursday, May 17th, 2007

Im Rahmen meines Dissertationsprojektes beschäftige ich mich mit der Zusammenarbeit der Sinne, genauer: Mit der Zusammenarbeit von Sehen und Greifen. Hören habe ich nicht im Programm, aber da gibt es ja zum Glück andere, auch wenn ihre Herangehensweise etwas … anders ist: Ich liebe Stelarc. Verrückter Aussie.

Link:

Stelarcs Site

Farewell: Sol LeWitt (1928-2007)

Monday, April 9th, 2007

brushstrokes.jpgDer amerikanische Konzeptkünster Sol Lewitt legte – im Gegensatz etwas zu Lawrence Weiner – immer großen Wert auf die Realisierung seiner Kunstwerke. Dabei galt zwar “Wie das Kunstwerk asussieht, ist nicht allzu wichtig”, aber um beurteilen zu können, ob die Idee funktioniert, sei es dringend notwendig, die gedanklichen Konzepte in reale Objekte zu überführen. Wenn Qualität und Werkidee überprüft sind, ist auch das realisierte Objekt nicht mehr wichtig. Aus diesem Gründen werden viele LeWitts Wandzeichnungen nach detailierten Anweisungen des Künstlers direkt auf Galerie- oder Museumswände aufgetragen, und nach der Ausstellung einfach wieder übermalt. Sol LeWitt war offenbar extrem medienscheu; es existieren kaum Fotos und Interviews mit dem Künstler. Er verstarb gestern – seine Konzepte jedoch werden bleiben, denn sie sind weder mit Messer noch mit Planierraupe zu tilgen.

Wie ich finde, ist das nach dem Tod von Nam June Paik im letzten Jahr ein weiterer großer Verlust für (zumindest meine) Kunstwelt – beide waren auf ihren Gebieten Meister, deren Werke einfach auch Spass machen.

Links:
Artikel auf SPON
wikipedia.de über LeWitt
wikipedia.de über Nam June Paik
wikipedia.org über LeWitt

Recht auf Schund

Thursday, March 29th, 2007

schundbaer.jpgNa, endlich sagt es mal einer: Wir haben Recht auf Schund. In Büchern. In Tageszeitungen. Im Fernsehen – natürlich. Und selbstverständlich auch als Computerspiel. Danke, Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Diese Institution hat sich auch für eine öffentliche Förderung von Computerspielen ausgesprochen – um die Qualität zu verbessern. Zimmermann sagt weiter, man dürfe “nicht auf der einen Seite bejammern, was da so Schreckliches mit der Jugend passiere, und gleichzeitig sagen, für das, wofür Ihr Euch interessiert, haben wir kein Geld mehr”. Wie wahr.

Links:
Artikel im Heise Newsticker
Deutscher Kulturrat
Pressemitteilung des DKR

We are geek

Monday, March 26th, 2007

wow_1980_1200.jpg“Geek [giːk] bezeichnet ein umgangssprachlich englisches Wort für Streber, Stubenhocker. Das englische Wort „geek“ leitet sich von dem angelsächsischen Wort „Geck“ ab und bezeichnete im frühen Mittelalter Menschen, die auf den Jahrmärkten lebendigen Tieren den Kopf abbissen. „Geek“ stand in diesem Zusammenhang für eine durch absonderliche Taten auffällige Person (vgl. Freak). Seit den 1990er Jahren hat sich das allgemeine Verständnis für den Gebrauch des Wortes Geek gewandelt. Man verbindet heute unter der Bezeichnung einen vielschichtigen Zusammenhang zum Streber im indirekten Sinn als Mensch, der sich sehr intensiv mit einem Thema, besonders einem der Informatik, beschäftigt oder einen – unter Umständen – extrovertierten Drang zur Anerkennung einer eigenen Lebensart besitzt.”

Danke, wikipedia, danke :) . Und was braucht der Geek? 101 Shareware und Freeware Tools! Vom naheliegenden Firefox bis zum geheimen Jap, alles (naja:vieles) dabei. :)

Link:
Liste der Top 101 Share- und Freewareprogramme für Geeks auf TheFreeGeek

PS: Ach so, ja: Auf dem Foto sieht man meinen Dell 24Zoll Monitor, auf dem in 1920 x 1200 Pixel WOW läuft … wenn das mal nicht geek ist…

“There are no visual media”

Friday, March 23rd, 2007

mediaarthistories.jpgWJT Mitchell, Professor für Anglistik und Kunstgeschichte an der Universität Chicago, stellt diese zunächst kühn anmutende Behauptung in seinem gleichnamigen Beitrag zu Oliver Graus neu erschienenem Buch MediaArtHistories auf. “All media are, from the standpoint of sensory modality, mixed media”, und darüber, so Mitchell, gäbe es wohl Konsens. Selbst bei Gemälden, der vermeintlich “reinsten” visuellen Kunstform, ist doch Sprache (im Sinne von Gedächtnisinhalten?) oder aber auch die Oberflächenstruktur des Gemäldes enthalten. Mitchell, ganz plakativ: Was ist ein Gemälde von Jason Jackson Pollock, wenn man nicht weiß, dass es ein Gemälde von Jason Jackson Pollock ist? “Nothing but wallpaper.”

Warum aber wird dem Visuellen so viel Aufmerksamkeit gewitmet? Mitchell sieht dafür kaum Rechtfertigung; er warnt gar vor einer Fokussierung auf das, was zu sehen ist. Mit Beispielen illustriert, zweifelt er die Ãœberlegenheit des visuellen Sinneskanals über die anderen Modalitäten an, und ruft dazu auf, vom visuellen Sinn aus eine multimodalere Sicht auf die Dinge, besonders auf Medien und Kunst einzunehmen. Die Beschäftigung mit den Unzulänglichkeiten des Begriffes “visual media” werde helfen, einen umfassenderen, kritischeren Diskurs anzuregen – “because there is no visual media that we need a concept of visual culture”.

Ich kann den Aussagen von Mitchell nur zustimmen; auch in Arbeiten an denen ich beteiligt bin zeigt sich, dass der visuelle Sinneskanal zwar immens wichtig aber vermutlich nicht so entscheidend ist, wie vielfach angenommen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Gelegenheiten, in denen es zu “Störungen” in der Zusammenarbeit der verschiedenen Sinne kommt – wie etwa bei Täuschungsphänomenen.

Mixed media könnte man übrigens meiner Meinung nach auch hybrid media nennen, deren wahrgenommene Inhalte dann Artefakte in hybriden Realitäten sind … (Heineken & Schulte, 2007 :) ).

Link:
Oliver Graus Buch MediaArtHistories

PS: Diese Erkenntnisse wird übrigens den Alleinherrschaftsvertretern des (bewegten) Bildes sehr weh tun, verstehstverstehst? ;)

Überwachung überwacht

Monday, March 19th, 2007

bpjm.gif“Kinder, Pornos, Killerspiele”, so lautet die provokante aber passende Ãœberschrift des seit heute auf Telepolis zu lesenden, zweite Teil einer Reihe zum Thema Ãœberwachung. Im Fokus des Artikels steht das deutsche Jugendschutzrecht, die mit seiner Durchsetzung betrauten Institutionen, und die problematische Anwendung auf “gewalthaltigen Computerspiele”. Wie von der – und das schreibe ich mit dem Respekt eines langjährigen Leser – doch eher linksliberalen-libertären Telepolis zu erwarten war, ist es eine äußerst kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. Sie führt auch noch einmal die Entwicklung des Medienjugendschutzes in Deutschland in den letzten Jahren vor Augen und zeigt, welche bürgerlichen Freiheiten den Verbots-Schnellschüssen diverses Populisten entgegenstehen. Eine willkommene Ergänzung zum mediendiaktischen Dauerthema Computerspiele.

Links:
Artikel “Kinder, Pornos, Killerspiele”
Telepolis